Es gibt Beziehungen, die beginnen voller Hoffnung und enden in stiller Verachtung. Liebesgeschichten, die in Enttäuschung münden. Vertrauen, das brutal gebrochen wird. Die Rede ist natürlich von Ihrem Bürodrucker.
Jeder kennt es. Man bekommt ein neues Gerät, packt es aus, steckt es an und denkt: „Diesmal wird alles anders.“ Und dann, irgendwo zwischen dem dritten Papierstau und dem mysteriösen Fehler „0x00000709 – Standarddrucker konnte nicht gesetzt werden“, fragt man sich ernsthaft, ob Bürogeräte eine Seele haben. Und wenn ja, ob diese Seele böse ist.
Wir haben die sieben klassischen Phasen dieser Beziehung zusammengefasst. Zur Wiedererkennung. Zur Therapie. Und weil Montag ist.
Phase 1: Die Verliebtheit
Das Gerät ist neu. Es riecht nach Plastik und Versprechen. Sie lesen tatsächlich die Schnellstartanleitung – zum ersten und letzten Mal in Ihrem Leben. Die Einrichtung klappt auf Anhieb. Der erste Testdruck kommt heraus. Er ist perfekt. Randscharf. Farbtreu. Sie halten das Blatt Papier wie ein neugeborenes Kind.
In diesem Moment glauben Sie: Dieses Gerät und ich, wir werden gute Freunde.
Garfield würde an dieser Stelle schweigen. Garfield weiß, was kommt.
Phase 2: Die ersten Zweifel
Es beginnt klein. Der Drucker meldet „Wenig Tinte“ nach gerade mal acht Seiten. Sie kaufen eine neue Patrone. Der Drucker erkennt sie nicht. Sie kaufen die Original-Patrone für 34,90 Euro. Der Drucker erkennt sie auch nicht. Sie nehmen die alte Patrone raus, pusten drauf wie auf ein Nintendo-64-Modul aus dem Jahr 1998, und stecken sie wieder ein. Jetzt funktioniert es.
Sie sagen nichts. Aber Sie haben etwas in sich sterben fühlen.
Phase 3: Die Verhandlungsphase
Sie beginnen, mit dem Gerät zu reden. Nicht laut – Sie sind ja kein Verrückter. Aber so ein leises „Bitte, jetzt nicht“ wenn Sie den Drucken-Button drücken und der Fortschrittsbalken bei 99 Prozent einfriert. Oder ein stilles „Ich muss das bis 14 Uhr abgeben“ in Richtung des WLAN-Routers, der sich seit gestern weigert, das Drucker-Subnetz zu finden.
Manchmal hilft es. Das ist das Schlimmste daran. Denn so hält die Hoffnung künstlich am Leben.
Phase 4: Die Eskalation
Papierstau. Der dritte an diesem Tag. Sie folgen der animierten Anleitung am Display, die Ihnen erklärt, wo das Papier klemmt – in Bereich D, dann Klappe B öffnen, Hebel C hochziehen, Rolle E herausziehen. Sie finden weder Bereich D noch Hebel C. Dafür finden Sie eine halbe Seite Papier tief im Inneren des Geräts, zerknittert wie ein kleines trotziges Origami.
Sie ziehen daran. Das Papier reißt. Die Hälfte bleibt drin. Der Drucker meldet: „Papierstau. Bitte Papier entfernen.“
Das ist der Moment, in dem Menschen laut werden. Nicht stolz. Aber menschlich.
Phase 5: Die stille Feindschaft
Es herrscht nun ein unausgesprochener Waffenstillstand. Sie benutzen das Gerät noch, aber ohne jede Zuneigung. Sie tippen hart auf den Bildschirm, als würden Sie einen Aufzug-Knopf drücken, von dem Sie wissen, dass er sowieso nicht schneller reagiert. Sie haben aufgehört, die Fehlermeldungen zu lesen. Sie klicken einfach auf „OK“ und „Weiter“ und „Ignorieren“ und „Trotzdem drucken“.
Einmal, bei einem wichtigen Dokument, drücken Sie sicherheitshalber „Drucken“ siebenmal. Drei Tage später kommen alle sieben Ausdrucke gleichzeitig. Der Drucker hat sich das gemerkt. Der Drucker wartet.
Phase 6: Die Akzeptanz (auch bekannt als: Das Stockholm-Syndrom)
Irgendwann hört man auf zu kämpfen. Man lernt, um 14:37 Uhr zu drucken und nicht um 14:35, weil das Gerät nach dem Mittagessen immer zehn Minuten braucht, um aufzuwachen. Man weiß, dass man A4-Papier immer mit der glatten Seite nach unten einlegen muss, auch wenn das nirgendwo steht. Man kennt das Pfeifen, das bedeutet: „Jetzt kurz warten“, und das Klackern, das bedeutet: „Jetzt nicht anfassen.“
Man hat das Gerät verstanden. Man hasst es noch immer. Aber man versteht es.
Phase 7: Die Trauer
Und dann, eines Tages, ist das Gerät weg. Kaputt, ausgetauscht, entsorgt. Ein neues steht da. Moderner. Leiser. Ohne die kleinen Macken.
Und Sie stehen davor und denken: „Das hier kenne ich noch nicht.“ Sie lesen die Schnellstartanleitung. Die Einrichtung klappt auf Anhieb. Der erste Testdruck kommt heraus. Er ist perfekt.
Und irgendwo, ganz tief, beginnt die Hoffnung wieder.
Epilog: Was wir daraus lernen
Nichts. Wir lernen gar nichts. Das ist das Wesen der Beziehung zwischen Mensch und Bürogerät. Sie ist zirkulär, unvermeidlich und – bei allem Frust – irgendwie zutiefst menschlich.
Garfield hätte an dieser Stelle Lasagne bestellt und den Drucker ignoriert. Vielleicht ist das die einzig vernünftige Strategie.
In diesem Sinne: Einen schönen Montag. Und mögen Ihre Geräte heute alle tun, was sie sollen.
