Es ist Mittwochmorgen, und Sie öffnen die Mail Ihres IT-Dienstleisters. Betreff: „Anpassung PC-Angebot“. Der Preis für die 15 geplanten Arbeitsplatz-PCs ist um 3.500 Euro gestiegen – von 15.000 auf 18.500 Euro. Kein Tippfehler. Keine Verwechslung. Willkommen in der größten Hardware-Krise, die die PC-Branche je gesehen hat.

Während Sie diese Zeilen lesen, läuft in der globalen Hardware-Industrie eine beispiellose Entwicklung ab. Alle großen PC-Hersteller – Dell, Lenovo, HP, Acer und Asus – haben bereits ihre Kunden gewarnt: Ab sofort wird alles teurer. Deutlich teurer. Und das betrifft nicht nur High-End-Gaming-PCs, sondern jeden einzelnen Computer – vom einfachen Büro-PC bis zum Mittelklasse-Notebook.

Warum explodieren die Preise gerade jetzt?

Jeff Clarke, Chief Operations Officer von Dell Technologies, brachte es Ende November auf den Punkt: „Ich habe noch nie gesehen, dass die Kosten für Speicherchips so schnell steigen.“ Und Clarke ist seit Jahrzehnten im Geschäft. Was er damit meint: Die Preise für Arbeitsspeicher (RAM) und SSDs schießen in einem Tempo nach oben, das selbst die härteste Mining-Krise 2021 wie einen Sommerschlauer aussehen lässt.

Die Zahlen sind eindeutig: DDR5-Speicher – der Standard für moderne PCs – ist im Jahresvergleich um 70 Prozent teurer geworden. Bei bestimmten Speichermodulen liegt der Preisanstieg sogar bei 170 Prozent. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein 32-GB-RAM-Kit, das im Juli 2025 noch 125 Euro kostete, liegt heute bei über 300 Euro. Das ist mehr als eine Verdoppelung in nur fünf Monaten.

Die Ursache? Der KI-Boom. Künstliche Intelligenz verlangt nach extrem leistungsfähigem Speicher – sogenannter HBM-Technologie (High Bandwidth Memory). Die drei großen Speicherhersteller Samsung, SK Hynix und Micron haben ihre Produktionskapazitäten massiv auf diesen lukrativen Markt umgestellt. Cloud-Riesen wie Microsoft, Google und Amazon zahlen Spitzenpreise für KI-tauglichen Speicher. Dagegen ist der normale PC-Markt uninteressant geworden.

Das Ergebnis: Die Produktionskapazität für „normalen“ Arbeitsspeicher schrumpft drastisch. Und wenn das Angebot sinkt, während die Nachfrage konstant bleibt, gibt es nur eine Richtung für die Preise: steil nach oben.

Konkrete Preiserhöhungen: Das kommt auf Sie zu

Dell wird nach Informationen des Marktforschungsunternehmens TrendForce bereits Mitte Dezember 2025 die Preise um 15 bis 20 Prozent anheben. Lenovo hat seinen Geschäftskunden bereits mitgeteilt, dass alle aktuellen Angebote am 1. Januar 2026 verfallen – und neue Bestellungen deutlich teurer werden.

Aus einer internen Dell-Preisliste, die das Medium Business Insider einsehen konnte, geht hervor: Ein Notebook oder Desktop-PC mit 32 GB RAM wird um 130 bis 230 US-Dollar teurer. Wer Workstations mit 128 GB RAM benötigt – etwa für CAD-Anwendungen oder Grafikdesign – muss mit Aufschlägen zwischen 520 und 765 US-Dollar rechnen.

HP-CEO Enrique Lores warnte, dass besonders die zweite Jahreshälfte 2026 schwierig wird. Seine Begründung: Speicherchips machen etwa 15 bis 18 Prozent der Produktionskosten eines typischen PCs aus. Bei dieser Komponente gibt es keinen Verhandlungsspielraum mehr – die Hersteller müssen zahlen, was der Markt verlangt.

Auch Asus hat reagiert: Das Unternehmen kündigte Preiserhöhungen zwischen 10 und 30 Prozent an. Die Spanne ist so groß, weil unterschiedliche Produktkategorien unterschiedlich stark betroffen sind. KI-PCs mit viel Arbeitsspeicher trifft es am härtesten, einfache Office-PCs etwas weniger stark – aber teurer wird alles.

Der Dominoeffekt: Wenn eine Komponente die ganze Kette lahmlegt

Die Speicherkrise bleibt nicht auf RAM beschränkt. Grafikkarten verwenden GDDR6- und GDDR7-Speicher – auch dieser wird knapp und teuer. Branchenexperten rechnen damit, dass Grafikkarten bis Ende 2026 um 30 Prozent oder mehr im Preis steigen werden. Bereits jetzt kostet eine Nvidia GeForce RTX 5090 über 2.500 Euro – vor wenigen Wochen lag der Preis noch bei 2.000 Euro.

Auch SSDs sind betroffen. Die NAND-Flash-Chips, aus denen Festplatten aufgebaut sind, werden ebenfalls knapper. Und selbst Hersteller kompletter Systeme geraten unter Druck: Micron Technology, einer der großen Drei im Speichergeschäft, hat angekündigt, seine Consumer-Marke Crucial einzustellen. Das Unternehmen konzentriert sich vollständig auf das lukrative Enterprise- und KI-Geschäft.

Die Folge: Weniger Wettbewerb, höhere Preise, schlechtere Verfügbarkeit. Genau das, was kleine und mittlere Unternehmen gerade nicht gebrauchen können.

Was bedeutet das für KMUs konkret?

Stellen Sie sich vor, Sie führen eine Steuerkanzlei mit 15 Mitarbeitern. Sie haben für 2026 budgetiert, fünf PCs zu ersetzen – kalkuliert mit jeweils 1.000 Euro. Mit den aktuellen Preiserhöhungen zahlen Sie stattdessen 1.200 bis 1.300 Euro pro Gerät. Aus 5.000 Euro werden 6.500 Euro. Das Budget ist gesprengt, bevor Sie überhaupt bestellt haben.

Oder Sie betreiben einen Onlineshop für Autozubehör und wollten Ihren Server aufrüsten – von 64 GB auf 128 GB RAM. Was vor sechs Monaten 600 Euro gekostet hätte, schlägt jetzt mit 1.800 Euro zu Buche. Die geplante Performance-Verbesserung wird zum finanziellen Kraftakt.

Ein weiteres Szenario: Sie führen ein Architekturbüro mit acht CAD-Arbeitsplätzen. Die aktuellen Workstations sind fünf Jahre alt, Windows 10 läuft aus – Sie müssen auf Windows 11 umsteigen. Das bedeutet: Neue Hardware, denn die alten Systeme erfüllen die Anforderungen nicht. Budget geplant: 24.000 Euro für acht neue Workstations mit 64 GB RAM. Reale Kosten mit aktuellen Preisen: Knapp 30.000 Euro. Die Differenz von 6.000 Euro reißt ein Loch in Ihre Jahresplanung.

Die Prognosen: Keine Entspannung in Sicht

Das Marktforschungsunternehmen IDC hat seine Prognose für den Notebook-Markt 2026 drastisch korrigiert. Ursprünglich erwartete man ein Wachstum von 1,7 Prozent. Jetzt rechnet IDC mit einem Rückgang von 2,4 Prozent – ein Umschwung von vier Prozentpunkten. Die Begründung: Steigende Preise dämpfen die Nachfrage massiv.

SK Hynix, einer der drei großen Speicherhersteller, prognostiziert, dass die Knappheit bis mindestens 2028 anhalten wird. Das Unternehmen plant zwar massive Investitionen in neue Produktionsanlagen, warnt aber gleichzeitig: „Es wird schwierig sein, die Versorgungsknappheit zu beheben.“

Der Grund ist einfach: Selbst wenn die Hersteller ihre Produktionskapazität ausbauen – die Nachfrage wächst noch schneller. Branchenexperten gehen davon aus, dass das Speicherangebot 2026 um 23 Prozent steigen wird. Gleichzeitig nimmt die Nachfrage aber um 35 Prozent zu. Die Schere öffnet sich weiter.

Strategien für KMUs: Wie Sie trotzdem handlungsfähig bleiben

Sofort-Maßnahmen: Jetzt noch kaufen Wenn Sie konkrete Hardware-Anschaffungen für das erste Quartal 2026 geplant haben, sollten Sie diese vorziehen – wenn irgend möglich noch im Januar. Die Lagerbestände im Handel spiegeln noch alte Verträge wider. Sobald diese Ware verkauft ist, kommt deutlich teurere Nachschub-Ware nach.

Bestehende Systeme länger nutzen Die durchschnittliche Nutzungsdauer von Business-PCs liegt bei vier bis fünf Jahren. In der aktuellen Situation kann es wirtschaftlich sinnvoller sein, Systeme sechs oder sieben Jahre zu betreiben – wenn die Hardware noch zuverlässig läuft. Ein 500-Euro-Upgrade (mehr RAM, neue SSD) ist günstiger als ein 1.500-Euro-Neukauf.

DDR4-Systeme statt DDR5 Moderne Prozessoren gibt es auch für die ältere DDR4-Plattform. Ein System mit DDR4-Speicher ist aktuell etwa 40 Prozent günstiger als ein vergleichbares DDR5-System – bei nur marginal geringerer Leistung für Office-Anwendungen. Für viele KMU-Einsatzzwecke ist DDR4 völlig ausreichend.

Projektstaffelung Wenn Sie 20 PCs ersetzen müssen, teilen Sie das Projekt auf: Jetzt zehn Systeme, in sechs Monaten die nächsten zehn. So verteilen Sie das finanzielle Risiko und können auf Marktveränderungen reagieren. Vielleicht entspannt sich die Situation schneller als erwartet – oder Sie haben Zeit, Budgets nachzuverhandeln.

Refurbished Business-PCs Generalüberholte Systeme von Leasing-Rückläufern sind eine unterschätzte Option. Ein drei Jahre alter Business-PC von HP oder Lenovo bietet oft mehr als genug Leistung für Office-Anwendungen – zu 50 bis 60 Prozent des Neupreises. In der aktuellen Situation kann das die wirtschaftlichste Lösung sein.

Windows 10 mit Extended Security Updates Microsoft bietet für Windows 10 kostenpflichtige Sicherheitsupdates bis Oktober 2028 an. Für kleinere Unternehmen kostet das etwa 30 Euro pro PC und Jahr. Das ist deutlich günstiger als jetzt überteuerte Windows-11-fähige Hardware zu kaufen. Sie gewinnen Zeit, bis sich der Markt hoffentlich beruhigt hat.

Fazit: Die Krise ist real – aber managebar

Die Hardware-Krise 2026 ist keine Panikmache, sondern bittere Realität. Alle großen Hersteller erhöhen die Preise, die Knappheit ist strukturell bedingt, und eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Für KMUs bedeutet das: IT-Investitionen werden teurer, Budgets müssen angepasst werden, und langfristige Planbarkeit wird schwieriger.

Aber die Situation ist nicht hoffnungslos. Mit der richtigen Strategie – rechtzeitige Käufe, längere Nutzungszyklen, Ausweichen auf ältere Plattformen – lässt sich die Krise durchstehen. Entscheidend ist, dass Sie jetzt reagieren und nicht erst, wenn die Preise nochmal 20 Prozent gestiegen sind.

In unseren Managed Services Projekten erleben wir gerade, wie unterschiedlich KMUs mit der Situation umgehen. Wer proaktiv plant, behält die Kontrolle. Wer abwartet und hofft, dass sich die Preise von selbst normalisieren, wird wahrscheinlich enttäuscht werden – und am Ende noch tiefer in die Tasche greifen müssen.

Die größte Hardware-Krise aller Zeiten ist da. Die Frage ist nicht mehr, ob sie kommt – sondern wie gut Sie darauf vorbereitet sind.


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