Es erscheint ohne Vorwarnung. Mitten in der Arbeit. Kurz bevor man speichern wollte. Genau dann.

„Ein unerwarteter Fehler ist aufgetreten.“

Danke. Sehr hilfreich. Man starrt auf den Bildschirm, liest die Meldung zweimal, dreimal – und weiß danach genauso viel wie vorher. Also: nichts.

Computer sind faszinierend. Sie können in Sekunden Millionen von Berechnungen durchführen, Verbindungen über Kontinente aufbauen, Musik streamen, 47 Browser-Tabs gleichzeitig offen halten. Aber wenn etwas schiefläuft, kommunizieren sie auf dem Niveau eines mürrischen Orakels: vieldeutig, nutzlos, mit einem Hauch von Schuldzuweisung.

Dieser Artikel ist ein Glossar. Ein ehrliches. Eine Übersetzung der bekanntesten Fehlermeldungen ins Deutsche. Das echte Deutsche.

Die Klassiker, die jeder kennt

„Ein unerwarteter Fehler ist aufgetreten.“

Was gemeint ist: Wir wissen selbst nicht, was passiert ist. Wirklich nicht. Das System hat etwas getan, das nicht im Plan stand. Was genau? Unklar. Warum? Auch unklar. Der Computer teilt Ihnen das auf die einzig mögliche ehrliche Weise mit: Es war unerwartet. Für alle Beteiligten. Einschließlich dem Computer selbst.

Empfohlene Reaktion: Neu starten. Dann so tun, als wäre nichts gewesen.

„Das Programm reagiert nicht.“

Was gemeint ist: Das Programm ist noch da. Es läuft. Es denkt nach. Vielleicht. Oder es hat beschlossen, heute Pause zu machen. Niemand weiß es. Der Unterschied zwischen „Das Programm denkt intensiv nach“ und „Das Programm ist tot“ ist unsichtbar. Dieser Dialog erscheint nach etwa 30 Sekunden, wenn Windows selbst nicht mehr sicher ist, was los ist.

Empfohlene Reaktion: Warten. Dann Schließen erzwingen. Die ungespeicherte Arbeit ist verloren. Das wissen wir beide.

„Zugriff verweigert.“

Was gemeint ist: Jemand hat entschieden, dass Sie das nicht dürfen. Wer? Unbekannt. Wann? Keine Angabe. Ob das noch gilt? Ebenfalls unklar. Möglicherweise wurde das vor Jahren eingestellt und seitdem von niemandem mehr angefasst. Möglicherweise waren Sie selbst derjenige, der das eingestellt hat – unter einem anderen Nutzer-Account, den Sie längst vergessen haben.

Empfohlene Reaktion: Den IT-Support anrufen. Oder jemanden fragen, der „mit dem Zeug kennt“. Mindestens 40 Minuten einplanen.

„Bitte kontaktieren Sie Ihren Systemadministrator.“

Was gemeint ist: Dieses Problem übersteigt die Zuständigkeit dieser Fehlermeldung. Es wird an eine andere Person weitergeleitet. An wen? An „den Systemadministrator“. Das kann der IT-Kollege sein, der Praktikant, der sich mal damit beschäftigt hat, oder – in kleineren Büros – derjenige, der zuletzt am Router stand.

Empfohlene Reaktion: Den Systemadministrator kontaktieren. Er weiß auch nicht weiter, aber die Zuständigkeit ist nun offiziell übertragen.

Die Ehrlichen

„Fehler 0x80070057“

Was gemeint ist: Es gibt eine Nummer für diesen Fehler. Das bedeutet, er ist bekannt. Das bedeutet, er ist schon vielen Menschen passiert. Das bedeutet, irgendwo gibt es die Lösung – tief vergraben in einem Microsoft-Supportforum, beantwortet im Jahr 2014, von jemandem mit dem Nutzernamen „TechWizard2003“.

Empfohlene Reaktion: Die Fehlernummer googeln. Den ersten Treffer öffnen. Den zweiten. Den dritten. Irgendwann eine Antwort finden, die „funktioniert hat – bei mir zumindest“, und vorsichtig ausprobieren.

„Nicht genug Arbeitsspeicher, um diesen Vorgang abzuschließen.“

Was gemeint ist: Der Computer hat zu viel auf einmal zu tun. Das liegt entweder daran, dass wirklich zu viel auf einmal läuft – oder daran, dass Windows im Hintergrund 23 Prozesse betreibt, über deren Zweck niemand Auskunft geben kann. In beiden Fällen ist die Lösung dieselbe: etwas schließen. Was? Das überlässt die Meldung Ihnen.

Empfohlene Reaktion: Den Browser schließen. Die 47 Tabs sind weg. Vielleicht war es sowieso Zeit.

„Letztes Mal wurde Windows nicht ordnungsgemäß beendet.“

Was gemeint ist: Windows glaubt, dass beim letzten Herunterfahren etwas nicht stimmte. Das stimmt meistens nicht. Meistens war es ein Update. Windows hat sich selbst neu gestartet, während Sie schliefen, und betrachtet das nun als Ihren Fehler.

Empfohlene Reaktion: Schulterzucken. Weiter wie gewohnt.

Die Besonders Ehrlichen

„Windows muss neu gestartet werden, um die Updates abzuschließen.“

Was gemeint ist: Genau das, was dasteht. Nur mit einem wichtigen Zusatz: Das Timing ist immer falsch. Dieser Dialog erscheint zuverlässig dann, wenn man in zehn Minuten eine Präsentation halten muss, wenn man endlich im Flow ist, oder wenn man gerade „Jetzt nicht erinnern“ geklickt hat. Die Schaltfläche „Spater neu starten“ ist eine freundliche Lüge.

Empfohlene Reaktion: Ergeben neu starten. Oder versuchen, die Meldung so lange zu ignorieren, bis der Computer selbst entscheidet.

„Stellen Sie sicher, dass das Gerät angeschlossen ist.“

Was gemeint ist: Das Gerät ist angeschlossen. War es von Anfang an. Dieser Tipp steht trotzdem da. Er steht immer da. Es ist der erste Punkt auf jeder Checkliste. Irgendwann in der Geschichte des Supports hat ein Mensch wirklich vergessen, das Gerät anzuschließen – und seitdem fragt Windows bei jeder Gelegenheit nach, um auf der sicheren Seite zu sein.

Empfohlene Reaktion: Das Kabel aus- und wieder einstecken. Aus unerfindlichen Gründen hilft das manchmal.

„Die Verbindung wurde unterbrochen.“

Was gemeint ist: Etwas, irgendwo, hat aufgehört zu funktionieren. Das kann der Router sein, der Server, das WLAN, das Kabel oder ein Dienst, der kurz nicht verfügbar war. Vielleicht auch das Universum in einem seiner unberechenbaren Momente. Die Fehlermeldung macht keine Unterschiede. Sie teilt nur mit: Es geht nicht mehr.

Empfohlene Reaktion: Fünf Sekunden warten. Erneut versuchen. Meistens geht es dann wieder.

Fazit

Computer kommunizieren nicht schlecht, weil sie uns nicht mögen. Sie kommunizieren so, weil das, was intern passiert, tatsächlich schwer zu beschreiben ist – in Sprache, die Nicht-Ingenieure verstehen. Also tun sie das Einzige, was möglich ist: Sie melden, dass etwas nicht stimmt. Ob das hilft, ist eine andere Frage.

Das eigentlich Tröstliche: Dieselben Fehlermeldungen erscheinen auf jedem Computer, in jedem Büro, bei jedem Unternehmen. Von der Bäckerei bis zum Großkonzern. Wir alle stehen manchmal ratlos vor demselben kleinen weißen Fenster.

„Ein unerwarteter Fehler ist aufgetreten.“

Wenigstens das sagt er klar.

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