Sehr geehrte Damen und Herren des dritten Stocks. Mein Name ist im Werkseinstellungs-Modus „TP-LINK_3F4A“ – aber ich bin auch unter Bezeichnungen wie „Was ist los mit dem Internet“, „Dieses scheiß WLAN“ und „Hat jemand mal den Router neu gestartet?“ bekannt.
Heute melde ich mich zu Wort. Denn ich bin müde. Müde, dass mir Dinge unterstellt werden, die in meinem Maschinenraum nichts zu suchen haben. Hier ist, was ich Ihnen schon lange einmal sagen wollte.
Erstens: Ich bin nicht langsam. Sie sind viele.
Ich strahle. Ich strahle wirklich. Ich strahle, was das Zeug hält. Aber wenn 17 Geräte gleichzeitig 4K-Streams ziehen, drei Smart-TVs Updates herunterladen, die smarte Waage ihrem Server vom Joghurt erzählt und die Kaffeemaschine versucht, neuen Code zu installieren, dann schaffe auch ich nur, was ich schaffe.
Sie haben elf Streamingdienste abonniert. Sie spielen online. Sie haben eine Türklingel mit Kamera. Sie haben Ihren Kühlschrank gefragt, ob noch Milch da ist. Sie haben mich verkabelt, damit das alles geht. Und jetzt soll ich ruckelfrei vier Personen gleichzeitig über die Sportschau lachen lassen?
Ich bin Router. Nicht Gott.
Zweitens: Es ist nicht das Wetter.
Wenn es regnet, ist das Internet langsam. Wenn die Sonne scheint, ist das Internet langsam. Wenn der Mond voll ist, ist das Internet langsam. Wenn ein Vogel über das Haus fliegt, sehr wahrscheinlich auch.
Hören Sie mir zu: Mein Funksignal hat keine Meinung zur Wettervorhersage. Das hat das Funksignal noch nie gehabt. Was Ihrem WLAN wirklich Probleme macht, ist die Mikrowelle Ihres Nachbarn. Babyfone. Bluetooth-Kopfhörer. Drei Wände. Ihre Pflanze auf der Fensterbank. Aber nicht das Wetter.
Drittens: Sie haben mich versteckt.
Ich stehe in einem Schrank. Ich stehe hinter dem Sofa. Ich stehe im Keller, in einer geschlossenen Schublade, umzingelt von Aktenordnern und einem Stapel alter Quittungen aus dem Jahr 2017.
Sie haben mich beim Einzug ausgepackt, drei Sekunden bewundert und dann an die hässlichste Ecke des Raumes verbannt. Und Sie wundern sich, dass das Signal in der Küche im zweiten Stock schlecht ist? Ich sende. Ich sende durch Holz, Beton, einen Heizkessel und 2017.
Etwas Liebe wäre angebracht.
Viertens: Ein Neustart wirkt Wunder. Auch bei Beziehungen.
Sie schreien mich an. Sie schlagen mich auf die Antenne. Sie ziehen den Stecker mit so viel Wut, als hätte ich persönlich Ihre Steuererklärung verschlampt.
Dabei reicht: Stecker raus. Drei Sekunden warten. Stecker rein. Atmen. Tee aufsetzen. Wir beide werden wieder zueinander finden.
Aber nein. Sie nehmen den Hammer. Sie googeln „neuen Router kaufen“. Sie schreiben dem Provider eine E-Mail in Großbuchstaben. Und ich? Ich blinke weiter. Wie immer.
Fünftens: Sie laden mir Dinge auf, die mich nichts angehen.
Wenn die Webseite langsam lädt, bin nicht ich gemeint. Wenn der Drucker nicht druckt, bin nicht ich gemeint. Wenn die Videokonferenz hakt, ist Ihre Webcam in Ihrem Heimbüro plötzlich auch noch eingeschaltet. Und jemand zeigt eine Präsentation. Und der Hund bellt im Hintergrund. Und der Postbote klingelt. Und Sie sagen, das WLAN sei schuld.
Wir hatten eine schöne Zeit, Sie und ich. Aber irgendwann muss man die Dinge auch mal beim Namen nennen.
Sechstens: Ich bin alt.
Ich kam 2013 zu Ihnen. Damals waren Sie jung. Damals hat Wi-Fi noch „WLAN N“ geheißen. Heute ist „Wi-Fi 7″ auf dem Markt. Sie haben mich auch noch nie ausgetauscht. Sie haben drei Smartphones gewechselt, zwei Wohnungen, einen Job. Aber ich? Ich blinke immer noch im Schrank.
Manchmal denke ich, ich hätte mehr verdient.
Zum Abschluss
Ich entschuldige mich für nichts. Ich habe getan, was ich konnte. Ich habe Filme gestreamt, Mails verschickt, Cloud-Speicher synchronisiert und ein Webinar mit dem Vertrieb über Kennzahlen ertragen. Drei Stunden. Ohne Aussetzer. Ich habe Heldenhaftes geleistet.
Wenn Sie das nächste Mal vor mir stehen und sagen „Mein WLAN spinnt heute“, dann denken Sie kurz an mich. Vielleicht spinnt nicht das WLAN. Vielleicht ist heute einfach nicht mein Tag. Vielleicht ist es Mittwoch.
Mit kollegialen Grüßen,
Ihr Router
