Sie wollen ein Rezept für Nudelauflauf. Sie tippen „Nudelauflauf schnell“ in die Suchmaschine. Sie klicken den ersten Treffer an. Und dann kommt: er. Der Cookie-Banner. Dunkelgrau, halbtransparent, mit fünf Knöpfen und einem Regenschirm-Icon. Sie sind noch weit weg vom Nudelauflauf.
Die fünf Knöpfe
Knopf 1: „Alle akzeptieren“. Grün. Groß. Verlockend. Ein einziger Klick, und Sie sind drin. Er will freundlich wirken. Er lächelt Sie an. Er sagt: „Trau mir, ich bin es doch nur.“ Sie klicken nicht. Sie sind zu erwachsen.
Knopf 2: „Nur notwendige“. Grau. Klein. Fast versteckt. Er sagt: „Nun gut, wenn du willst. Aber die Seite wird dann komisch aussehen.“ Er droht ein wenig. Sie ignorieren ihn.
Knopf 3: „Einstellungen“. Der Weg der Tugendhaften. Er führt in einen weiteren Dialog. Mit 47 Kategorien. Mit 200 Anbietern. Mit Schiebereglern, die alle standardmäßig auf „an“ stehen. Sie klicken ihn. Sie werden es bereuen.
Knopf 4: „Schließen (X)“. Es gibt kein X. Es gab noch nie ein X. Der Banner ist grundsätzlich unschließbar. Er ist wie ein Zeuge Jehovas mit unbegrenzt Freizeit.
Knopf 5: „Weitere Optionen“. Er führt zu einem Link, der auf eine PDF-Datei zeigt. Die Datei ist 47 Seiten lang. Sie ist in Englisch. Sie ist vom 12. März 2019. Sie enthält vier Datenschutz-Beauftragte, zwei GmbH-Adressen und eine Telefonnummer, die niemand mehr abnimmt.
Die 47 Kategorien
Sie haben „Einstellungen“ gedrückt. Jetzt sehen Sie die Kategorien. Sie sind alle wichtig. Sie sind alle nötig. Sie sind alle standardmäßig aktiviert. Eine kleine Auswahl:
- „Werbepartner“: 200 Anbieter. Sie kennen keinen von ihnen.
- „Analytics-Partner“: 47 Anbieter. Sie kennen zwei davon vom Namen. Nicht positiv.
- „Geräte-Fingerabdruck“: Klingt wie True Crime. Ist es auch.
- „Berechtigte Interessen“: Nicht abwählbar. Warum? Weil die Interessen berechtigt sind. Von wem? Von den Anbietern.
- „Personalisierte Anzeigen“: Kaufen Sie schon wieder das Massage-Gerät, das Sie 2023 einmal angesehen haben.
Sie klicken 200 mal auf „aus“. Ihr Mauszeiger tut weh. Sie klicken „Speichern und beenden“. Die Seite lädt neu. Der Banner ist wieder da. Es ist ein anderer Banner. Weil eine andere Firma.
Der Cookie-Banner in freier Wildbahn
Eine kleine Typologie:
- Der Deutsche: Höflich, umständlich, ausführlich. „Wir verwenden Cookies, wie in unserer Datenschutzerklärung beschrieben, gemäß Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO.“ Sie lesen bis „gemäß“ und geben auf.
- Der Amerikaner: Groß, aggressiv, verkauft Ihnen sofort ein Newsletter-Abo mit. „ACCEPT COOKIES AND SIGN UP FOR OUR 47-EMAIL COURSE!“ Sie schließen den Tab. Sie holen sich einen Kaffee.
- Der Franzose: Elegant, minimalistisch. Nur ein „J’accepte“. Sie sehen die Seite nie. Sie werden auf eine andere Seite umgeleitet. Sie sind sich nicht sicher, wo Sie gerade sind.
- Der Behörde: Grau, staatstragend, mit sieben Absätzen Rechtsbelehrung. Am Ende ein Link zum Impressum. Sie brauchen Ihr Rezept nicht mehr. Sie haben sich für einen Salat entschieden.
Eine ehrliche Frage
Hat jemand in den letzten fünf Jahren die Cookie-Banner tatsächlich gelesen? Nein. Hat jemand die 47 Kategorien einzeln überprüft? Nein. Hat der Cookie-Banner mehr Vertrauen zwischen Nutzer und Anbieter geschaffen? Auch nein.
Der Cookie-Banner ist nicht mehr Datenschutz. Er ist Ritual. Ein Reflex. Ein Balztanz zwischen Webseitenbetreiber und Nutzerin, bei dem beide vorgeben, sich zu kümmern. In Wahrheit klicken beide genervt weiter.
Zum Mittagessen
Sie schauen auf die Uhr. Es ist halb eins. Sie stehen auf. Sie gehen in die Küche. Sie holen die Tiefkühl-Lasagne aus dem Gefrierfach. Sie stellen den Backofen an. Sie warten 40 Minuten. Sie essen. Sie waren nicht auf einer Webseite. Sie brauchten keine Cookies. Sie waren glücklich.
Vielleicht ist das die eigentliche Lehre.
