Es gibt Termine, die will man haben. Und es gibt Termine, die will man haben, ohne dass sie jemand sieht. Der Zahnarzt am Dienstagvormittag. Das Bewerbungsgespräch am Donnerstag. Der zweistündige Block am Freitag, in dem man einfach mal in Ruhe arbeiten möchte. Dieser Beitrag ist eine wissenschaftliche Betrachtung der Kunst des Kalender-Versteckens.

Zur Klarstellung: Wir empfehlen nichts davon. Wir dokumentieren nur.

Methode 1: Der Klassiker – „Privat“

Sie markieren den Termin als „Privat“. Der Kollege sieht: ein grauer Block. Er weiß nicht, was drin ist. Er weiß aber, dass etwas drin ist. Und genau das ist das Problem: Ein grauer Block schreit geradezu „Hier passiert etwas, was ihr nicht wissen sollt.“

Der graue Block ist wie ein Umschlag mit der Aufschrift „Nicht öffnen“. Er erzeugt mehr Neugier als ein normaler Termin. Fortgeschrittene benutzen diese Methode nicht mehr.

Methode 2: Die Camouflage

Statt „Privat“ schreiben Sie einen harmlosen Titel. Kandidaten aus der Praxis:

Der Meister der Camouflage schreibt: „Abstimmung Follow-up Konzept Q3″. Es klingt so bedeutungsschwer und gleichzeitig so nichtssagend, dass niemand nachfragt. Wer nachfragt, bekommt zur Antwort: „Ach, das übliche.“ Und wird sich nie wieder trauen zu fragen.

Methode 3: Die Randlage

Sie legen den Termin auf 8:00 Uhr oder 17:30 Uhr. Die Randzeiten sind der blinde Fleck jedes Kalenders. Wer morgens um acht die Woche plant, scrollt automatisch zu neun. Wer nachmittags schaut, hört bei siebzehn auf.

Die absolute Königsklasse ist der Termin von 12:00 bis 13:00 Uhr. Mittagspause. Niemand fragt. Niemand schaut hin. Sie könnten in dieser Stunde eine komplette Firma gründen.

Methode 4: Der Serientermin

Ein einmaliger Termin fällt auf. Ein wöchentlicher Termin gehört zum Möbel. Sie legen einen Serientermin an: „Jour Fixe intern“, jeden Dienstag von 10 bis 11. Nach drei Wochen ist er Teil der Landschaft. Nach drei Monaten weiß niemand mehr, wann er entstanden ist.

Der Serientermin hat einen Nebeneffekt: Er wird nach einem Jahr von jemand anderem übernommen. Es kommt eine Einladung: „Kann ich mich da einklinken?“ Sie sagen ja. Sie haben jetzt einen echten Jour Fixe. Das war nicht der Plan.

Methode 5: Der Reise-Block

„Fahrzeit“. Zwei Wörter. Kein Ort. Kein Ziel. Der Kollege denkt: Er ist im Auto. Man ruft nicht an. Man stört nicht. Sie sitzen zu Hause auf dem Sofa und lesen ein Buch.

Ein Klassiker unter Außendienstlern seit Erfindung des Terminkalenders. Wird auch 2035 noch funktionieren.

Methode 6: Die Nuklear-Option

Sie schalten die Kalender-Freigabe komplett aus. Niemand sieht mehr Ihre Termine. Nur „Beschäftigt“ oder „Frei“.

Das funktioniert genau einmal. Nach zwei Tagen kommt eine E-Mail vom Vorgesetzten: „Ich kann Ihren Kalender nicht mehr sehen, ist da was schiefgelaufen?“ Sie antworten: „Oh, komisch, ich schau mal.“ Sie machen ihn wieder auf. Sie kehren zu Methode 2 zurück.

Der ehrliche Gegenvorschlag

Es gibt eine Methode, die alle sechs schlägt. Sie ist unbeliebt, weil sie Mut erfordert.

Sie legen einen Termin an. Sie nennen ihn: „Fokuszeit – bitte nicht stören.“ Sie erklären einmal im Team, warum es diesen Block gibt. Und dann halten Sie ihn ein.

Nach zwei Wochen macht es jemand anderes nach. Nach zwei Monaten haben alle einen. Nach einem Jahr ist es Kultur. Und niemand muss mehr „Fahrzeit“ eintragen, um in Ruhe nachzudenken.

Aber gut. Wir wollten das nur mal erwähnt haben.

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