Einstieg: Das Ende des Passworts ist nicht mehr Vision, sondern Projektplan

Seit Jahren behauptet die Security-Branche, dass Passwörter „tot“ seien. In der Realität sind sie es nicht – und genau deshalb war diese Aussage lange wertlos. Passkeys Week 2025 ist einer der seltenen Momente, in denen ein Marketing-Slogan in eine messbare, betriebliche Realität kippt: Nicht, weil ein neues Protokoll erfunden wurde, sondern weil große Plattformanbieter und Consumer-Services inzwischen genügend Daten und Betriebserfahrung haben, um zu zeigen, dass Passkeys nicht nur „sicherer“, sondern auch ökonomisch sinnvoll sind.

Die FIDO Alliance hat im Rahmen von Passkeys Week 2025 neue Inhalte und Erfahrungsberichte gebündelt und dabei auch Forschungsergebnisse aus ihrem Passkey Index (Daten von großen Deployments über mehrere Jahre) referenziert. (FIDO Alliance)
Für Unternehmen ist das relevant, weil damit eine alte Ausrede stirbt: „Das ist noch nicht reif genug.“

Der eigentliche Sprung ist nicht die Existenz von Passkeys – sondern die Stabilisierung der Betriebsmodelle:

Wenn du 2026 nicht mehr mit Password Spraying, MFA-Fatigue und Credential Stuffing leben willst, ist Passkey-Rollout keine „nice-to-have“-Initiative mehr, sondern ein strategisches Risk-Reduction-Programm.


Warum Passkeys jetzt die bessere Sicherheitsökonomie liefern

Passwörter sind nicht nur unsicher, sondern teuer

Passwörter sind ein Sicherheitsproblem – aber im Alltag vor allem ein Kostenproblem:

Passkeys verschieben diese Kostenstruktur, weil sie eine der wenigen Maßnahmen sind, die gleichzeitig:

Der FIDO-Ansatz ist dabei nicht „ein neues Passwort“, sondern eine andere Logik: Asymmetrische Kryptografie, bei der das Geheimnis nicht mehr als wiederverwendbares Passwort existiert, sondern als gerätegebundener Schlüssel, der nicht „abgegriffen“ und wiederverwendet werden kann.


Was Passkeys wirklich sind – und was sie nicht sind

Passkeys sind phishingsicher, weil sie an Ursprung und Gerät gebunden sind

Der Sicherheitsgewinn entsteht nicht aus „stärkerem Secret“, sondern aus dem Wegfall des Secrets als kopierbarer Datenpunkt:

Passkeys sind damit besonders stark gegen den Angriffsraum, der Unternehmen derzeit am meisten schadet: Credential-basierte Initial Access.

Passkeys sind kein Allheilmittel gegen jeden Angriff

Wichtig ist die saubere Erwartungshaltung. Passkeys lösen primär:

Sie lösen nicht automatisch:

Das ist keine Schwäche von Passkeys, sondern eine Erinnerung daran, dass Authentifizierung nur ein Teil der Kette ist.


Der harte Teil: Warum Passkeys in Unternehmen bisher scheitern

Passkeys sind in Consumer-Apps oft schneller einführbar als in Enterprise-Umgebungen. Der Grund ist nicht Technik, sondern Governance. Typische Bremsen:

Identitätslandschaft ist fragmentiert

Viele Unternehmen haben parallel:

Passkeys werden dann zum „noch ein Login-Mechanismus“, statt zu einer konsistenten Strategie. Der Fehler liegt hier selten im Passkey-Standard, sondern im fehlenden Zielbild.

Recovery und Lifecycle sind ungelöst

Die schwierigste Frage ist nicht „Login“, sondern:

Wenn diese Fragen nicht sauber beantwortet sind, ist Passkey-Einführung politisch tot – egal wie gut die Technik ist.

Compliance und Audit wollen Beweise, keine Versprechen

GRC-Teams fragen zurecht:

Ohne belastbare Antworten bleibt Passkeys ein Pilot.


Was sich mit Passkeys Week 2025 geändert hat

Die zentrale Veränderung ist, dass große Deployments nicht mehr nur „Ankündigungen“ sind, sondern als Betriebserfahrungen diskutiert werden. Passkeys Week 2025 bündelt genau diese Perspektive: Ressourcen, Talks, Erfolgsstorys und Forschungserkenntnisse aus realen Rollouts. (FIDO Alliance)

Das ist für Enterprise-Entscheider wichtig, weil es die Diskussion von „ob“ zu „wie“ verschiebt:

Kurz: Passkeys werden von einer Security-These zu einer Implementierungsdisziplin.


Der Enterprise-Blueprint: Wie ein Passkey-Programm wirklich funktioniert

Wenn du Passkeys nicht nur „einführen“, sondern als Sicherheitsprogramm etablieren willst, brauchst du ein Modell, das sowohl Technik als auch Betrieb abdeckt.

Zielbild und Scope

Ein funktionierendes Zielbild ist meist nicht „Passkeys überall sofort“, sondern:

Das reduziert Risiko dort zuerst, wo der ROI am höchsten ist.

Rollenbasierte Einführung

Ein praktikables Einführungsmodell ist eine stufenweise Adoption entlang von Nutzergruppen:

Das ist kein „Nummernplan“ im Text, sondern ein Governance-Ansatz: Rollout nach Risiko.

Enrollment-Qualität entscheidet

Ein Passkey ist nur so stark wie der Prozess, der ihn bindet. Wichtig ist:

Wenn Enrollment schwach ist, wird Passkeys zum neuen Angriffspunkt – nicht weil die Kryptografie bricht, sondern weil die Identität falsch gebunden wird.


Die kritische Stelle: Recovery darf nicht schwächer sein als Login

In vielen Organisationen ist der Recovery-Pfad die eigentliche Hintertür. Passkeys helfen nur, wenn Recovery nicht zurückfällt auf:

Ein robustes Modell kombiniert:

Wenn Recovery hart ist, werden Supportkosten kurzfristig steigen – und genau deshalb muss das Programm das betriebswirtschaftlich auffangen: weniger ATO-Incidents und weniger Password-Reset-Tickets.


Was du messen solltest: KPIs, die Passkeys in der Praxis entscheiden

Passkeys sind ein seltener Security-Hebel, der sich gut über KPIs steuern lässt. Du willst typischerweise messen:

Ohne Messmodell bleibt Passkeys „irgendwie da“, aber nicht transformativ.


Typische Fehler, die Programme ruinieren

Passkeys als optionales Feature

Optional heißt: niemand nutzt es. Oder nur die ohnehin motivierten. Der Sicherheitsgewinn kommt aber erst, wenn Passkeys:

Zu frühes „Passwort abschalten“ ohne Ersatzlogik

Wenn Passwörter zu schnell abgeschaltet werden, ohne robuste Device-Strategie und Recovery-Design, erzeugst du Lock-outs. Die Folge ist politischer Rückzug und Vertrauensverlust.

Ignorieren von Shared Devices und Spezialfällen

Kiosks, Schichtarbeitsplätze, Call-Center-Setups und Lab-Maschinen brauchen eigene Patterns. Ein „One-Size-Fits-All“-Passkey-Rollout scheitert an genau diesen Randfällen.


Best Practices für 2026: Wie Passkeys mit Zero Trust zusammenspielen

Passkeys sind am stärksten, wenn sie als Bestandteil eines Zero-Trust-Stacks behandelt werden:

Damit wird Passkeys nicht zum isolierten Projekt, sondern zu einem Teil der Sicherheitsarchitektur.


Fazit: Passkeys sind die seltene Security-Maßnahme, die gleichzeitig UX verbessert

Passkeys Week 2025 ist deshalb relevant, weil sie zeigt: Passkeys sind nicht mehr „Proof of Concept“, sondern ein Muster, das große Anbieter über längere Zeiträume betrieben haben – und das jetzt in Enterprise-Programme übersetzbar ist. (FIDO Alliance)

Wenn du heute noch primär mit Passwörtern arbeitest, hast du nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern auch einen strukturellen Kostenblock. Passkeys sind eine realistische Antwort darauf – sofern Enrollment, Recovery und Governance professionell umgesetzt werden.

#Passkeys #Passwordless #Authentication #IdentitySecurity #ZeroTrust #Cyberrisk

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wer suchet der findet