Stellen Sie sich einen Handelsbetrieb mit 30 Mitarbeitern vor. Ab Mitte November läuft das Weihnachtsgeschäft. Von da an ist keine Zeit mehr für Projekte, Migrationen oder Serverwechsel. Wer im November noch einen Rechner tauschen muss, hat ein Problem – nicht wegen des Rechners, sondern wegen des Zeitpunkts.
Der September ist deshalb der letzte vernünftige Moment, die IT für das Jahresende in Ordnung zu bringen. In diesem Artikel gehen wir sieben Punkte durch, die sich in wenigen Stunden prüfen lassen und typischerweise die größten Überraschungen verhindern.
1. Support-Fristen prüfen – vor allem Windows 10
Der wichtigste Termin dieses Herbstes ist der 13. Oktober 2026. Dann endet das dritte und letzte ESU-Jahr für Windows 10. Danach gibt es keinen unterstützten Weg mehr, diese Systeme zu patchen. Kein viertes Jahr, keine Verlängerung.
Konkret heißt das: Jedes verbliebene Windows-10-Gerät im Betrieb ist ab Mitte Oktober ein ungepatchtes System im Netzwerk. Für NIS-2-betroffene Betriebe ist das ein dokumentiertes Compliance-Problem, für alle anderen ein reales Sicherheitsrisiko.
Ein realistischer Migrationsplan für ein KMU: Inventar (1 Tag), Hardware-Check (3 Tage), Pilot (1 Woche), Rollout in Wellen über Intune und Autopilot. Insgesamt vier bis zehn Wochen. Wer jetzt startet, ist im Oktober fertig.
2. Lizenzen und Verträge auf Verlängerung prüfen
Viele Software-Verträge verlängern sich automatisch zum Jahreswechsel, mit Kündigungsfristen von ein bis drei Monaten. Im September ist der letzte Moment, das zu prüfen.
Konkret durchgehen: Microsoft-365-Lizenzen (Anzahl noch passend? Ausgeschiedene Mitarbeitende entfernt?), Branchensoftware, Antivirus, Backup-Lösung, Cloud-Speicher. In fast jedem Betrieb finden sich Lizenzen für Personen, die seit über einem Jahr nicht mehr da sind.
3. Backup testen – nicht prüfen, testen
Der Unterschied ist wichtig: Prüfen heißt, im Backup-Programm nachzuschauen, ob grüne Häkchen zu sehen sind. Testen heißt, eine Datei und einen kompletten Server zurückzuspielen.
Der Herbst ist der ideale Zeitpunkt dafür, weil im Dezember und Januar niemand Zeit hat. Und weil ein dokumentierter Wiederherstellungstest zugleich der wichtigste Nachweis für Cyber-Versicherung und NIS-2 ist.
4. Hardware-Alter erfassen und Budget vorbereiten
Ein wichtiger Grund, das im September zu tun: In vielen KMU werden die Budgets für das Folgejahr im dritten Quartal festgezurrt. Wer im vierten Quartal noch große Posten hineinverhandeln muss, hat schlechte Karten.
Praktisch: Eine Liste aller Rechner, Notebooks, Server, Switches und Access Points mit Anschaffungsjahr. Alles über fünf Jahre kommt auf die Ersatzliste. Wer die Liste im September hat, kann sie in die Budgetplanung einbringen.
5. Ausgeschiedene Mitarbeitende – Konten und Zugänge prüfen
Ein Klassiker, der in jedem zweiten Audit auffällt: aktive Konten von Personen, die den Betrieb verlassen haben. Manchmal seit Jahren.
Der Herbst-Check ist ein guter Anlass, einmal die Liste aller Benutzerkonten mit der aktuellen Personalliste abzugleichen. Dazu gehören auch: Zugänge zu Fachanwendungen, Cloud-Diensten, dem Onlineshop-Backend, Social-Media-Konten und der Telefonanlage. Verwaiste Konten sind einer der häufigsten Einstiegspunkte bei Angriffen.
6. Notfallkontakte aktualisieren
Die Telefonliste im Notfallordner ist in den meisten Betrieben zwei bis drei Jahre alt. Der IT-Dienstleister hat eine neue Nummer, der zuständige Techniker hat gewechselt, die Handynummer der Geschäftsführung steht nicht drin.
Fünfzehn Minuten Aufwand. Ausdrucken. In den Ordner. Eine Kopie zu Hause bei der Geschäftsführung. Wer einen Notfallplan hat, prüft bei dieser Gelegenheit auch gleich die anderen Kontaktdaten.
7. Wartungsfenster für den Winter festlegen
Zwischen Weihnachten und Neujahr steht in vielen Betrieben die Produktion still. Das ist das beste Wartungsfenster des Jahres – aber nur, wenn es vorher geplant ist.
Konkret: Welche Arbeiten sollen in dieser Zeit laufen? Server-Updates, Netzwerk-Umbauten, Umzug von Systemen, Firmware-Updates an Druckern und Access Points. Wer das im September mit seinem IT-Dienstleister abstimmt, bekommt einen Termin. Wer im Dezember anruft, nicht.
Was der Herbst-Check realistisch kostet
Die sieben Punkte lassen sich in einem Betrieb mit 20 bis 50 Mitarbeitenden in ein bis zwei Arbeitstagen abarbeiten – vorausgesetzt, jemand ist dafür zuständig. Genau daran scheitert es meistens: Nicht am Aufwand, sondern daran, dass sich niemand verantwortlich fühlt.
In [Managed-Services-Betreuungen](https://bavaria-informatics.com/services/#managed-services) läuft ein solcher Check als jährlicher Standardprozess mit. Die Ergebnisse gehen als Bericht an die Geschäftsführung, offene Punkte kommen mit Priorität und Kostenschätzung. Das nimmt die Frage nach der Zuständigkeit aus dem Betrieb heraus.
Fazit
Der September ist der richtige Monat für den IT-Herbst-Check. Sieben Punkte, ein bis zwei Arbeitstage, und der Betrieb geht ohne Überraschungen ins Jahresendgeschäft. Der dringendste Punkt in diesem Jahr ist der Windows-10-Stichtag am 13. Oktober – wer da noch Geräte im Einsatz hat, sollte diese Woche anfangen.
Wenn Sie wissen wollen, wo Ihr Betrieb bei diesen sieben Punkten steht, sprechen Sie uns an. Wir gehen die Liste in einem Erstgespräch mit Ihnen durch – kostenfrei und ohne Fachchinesisch.
