„Wir sind doch viel zu klein – was wollen Hacker bei uns?“ Diesen Satz hören wir in Gesprächen mit Geschäftsführern erstaunlich oft. Ein Installationsbetrieb mit 15 Mitarbeitern, eine Bäckerei-Kette mit drei Filialen, ein Großhändler für Sanitärbedarf – sie alle glauben, für Cyberkriminelle uninteressant zu sein. Schließlich liest man in den Nachrichten immer nur von Angriffen auf Konzerne, Krankenhäuser oder Behörden.

Die Realität sieht anders aus. Laut aktueller polizeilicher Kriminalstatistik richten sich 80 Prozent aller Ransomware-Angriffe gezielt gegen kleine und mittlere Unternehmen. Nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Größe. In diesem Artikel erklären wir, warum der Mythos vom „zu kleinen Unternehmen“ so gefährlich ist – und was das konkret für Ihren Betrieb bedeutet.

Warum gerade KMUs im Visier stehen

Cyberkriminelle sind Opportunisten. Sie suchen nicht unbedingt die fetteste Beute, sondern den leichtesten Zugang. Große Konzerne haben spezialisierte IT-Sicherheitsabteilungen, rund um die Uhr besetzte Security Operations Center und Budgets in Millionenhöhe. Der Aufwand, dort einzubrechen, ist enorm.

Ein mittelständischer Handwerksbetrieb hat das alles nicht. Oft gibt es nicht einmal einen dedizierten IT-Verantwortlichen – die Buchhalterin „macht nebenbei auch die Computer“. Genau das macht kleine Unternehmen so attraktiv: weniger Schutz bei gleichzeitig wertvollen Daten. Kundenlisten, Bankverbindungen, Mitarbeiterdaten, Geschäftsgeheimnisse – all das ist für Kriminelle bares Geld wert.

Hinzu kommt: Moderne Cyberangriffe laufen weitgehend automatisiert ab. Bots scannen rund um die Uhr das Internet nach verwundbaren Systemen – völlig unabhängig davon, ob dahinter ein DAX-Konzern oder eine Schreinerei mit acht Mitarbeitern steht. Wer eine Sicherheitslücke hat, wird gefunden. Die Unternehmensgröße spielt dabei keine Rolle.

Das Einfallstor für die Großen

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum KMUs gezielt angegriffen werden: Sie sind oft Teil größerer Lieferketten. Ein Zulieferer für die Automobilindustrie, ein IT-Dienstleister für eine Bank, ein Handwerksbetrieb mit Zugang zu Bauplänen eines Industrieunternehmens – wer solche Verbindungen hat, wird zum attraktiven Sprungbrett.

Hacker suchen gezielt das schwächste Glied in der Kette. Gelingt es ihnen, in die Systeme eines kleinen Partners einzudringen, können sie von dort aus Verbindungen zu größeren Unternehmen ausnutzen. Laut einer aktuellen Studie erlebten 46 Prozent der befragten Unternehmen bereits Angriffe, bei denen ein Partnerbetrieb in der Lieferkette gehackt wurde. Die Sicherheit jedes einzelnen Glieds entscheidet über die Sicherheit des gesamten Netzwerks.

In unseren Managed-Services-Projekten sehen wir das regelmäßig: Große Auftraggeber verlangen inzwischen Nachweise über IT-Sicherheitsmaßnahmen, bevor sie Verträge abschließen. Wer hier nicht liefern kann, verliert Aufträge – unabhängig davon, wie gut seine eigentliche Arbeit ist.

Was ein erfolgreicher Angriff wirklich kostet

Viele Unternehmer unterschätzen die Folgen eines Cyberangriffs. Es geht nicht nur um verschlüsselte Daten oder eine kurze Betriebsunterbrechung. Die tatsächlichen Kosten setzen sich aus vielen Faktoren zusammen.

Da ist zunächst der direkte Stillstand. Wenn die Auftragsabwicklung nicht funktioniert, können keine Rechnungen geschrieben werden. Wenn die Produktionssteuerung ausfällt, steht die Werkstatt still. Ein Elektriker, der nicht auf seine Kundendaten zugreifen kann, weiß nicht einmal, wo er heute arbeiten soll. Je nach Branche können selbst wenige Tage Ausfall existenzbedrohend sein.

Dann kommen die Kosten für die Wiederherstellung: IT-Forensik, um den Angriffsweg nachzuvollziehen, Neuinstallation von Systemen, Wiederherstellung von Backups – falls diese überhaupt funktionieren. In vielen Fällen muss externe Hilfe hinzugezogen werden, oft unter Zeitdruck und entsprechend teuer.

Nicht zu vergessen: die rechtlichen Konsequenzen. Wer personenbezogene Daten verarbeitet – und das tut praktisch jedes Unternehmen – muss bei einem Datenverlust innerhalb von 72 Stunden die Datenschutzbehörde informieren. Bei Verstößen gegen die DSGVO drohen empfindliche Bußgelder. Und der Reputationsschaden bei Kunden und Geschäftspartnern lässt sich ohnehin kaum beziffern.

Eine Zahl macht die Dramatik deutlich: Laut Studien stellen 60 Prozent der betroffenen kleinen Unternehmen innerhalb von sechs Monaten nach einem schweren Cyberangriff ihren Betrieb ein. Nicht weil der Angriff selbst tödlich war, sondern weil die Folgekosten nicht mehr zu stemmen waren.

Warum die Selbsteinschätzung so oft falsch liegt

Nur 22 Prozent der KMUs sind laut aktuellen Erhebungen wirklich gut auf Cyberangriffe vorbereitet – obwohl 71 Prozent glauben, es zu sein. Diese Lücke zwischen Selbstwahrnehmung und Realität ist gefährlich.

Der Grund liegt oft in einem falschen Sicherheitsgefühl. „Wir haben doch eine Firewall“ oder „Unser Antivirenprogramm ist aktuell“ – solche Aussagen hören wir häufig. Aber moderne Cyberangriffe funktionieren anders. Phishing-Mails umgehen die Firewall, weil sie über ganz normale E-Mail-Kanäle kommen. Ransomware kann unentdeckt bleiben, wenn Sicherheitslösungen nicht richtig konfiguriert sind. Eine einzige Schutzkomponente bietet keine Garantie.

Besonders tückisch: Viele Angriffe bleiben zunächst unbemerkt. Hacker verschaffen sich Zugang und beobachten erst einmal. Sie analysieren Geschäftsprozesse, identifizieren besonders wertvolle Daten und warten auf den perfekten Moment zum Zuschlagen – etwa kurz vor einem wichtigen Abgabetermin oder während der Urlaubszeit, wenn die Reaktionsfähigkeit eingeschränkt ist.

Woran Sie Ihren tatsächlichen Schutzstand erkennen

Ein ehrlicher Blick auf die eigene IT-Sicherheit beginnt mit ein paar einfachen Fragen. Wissen Sie, wann Ihre Systeme zuletzt aktualisiert wurden? Nicht nur Windows, sondern auch Router, Drucker, die Software für Ihre Branchenlösung? Sicherheitslücken in veralteter Software sind eines der häufigsten Einfallstore.

Wie sieht es mit Ihren Backups aus? Werden sie regelmäßig erstellt – und vor allem: wurden sie jemals getestet? Ein Backup, das sich im Ernstfall nicht wiederherstellen lässt, ist wertlos. Wir erleben immer wieder Unternehmen, die erst nach einem Angriff feststellen, dass ihre Sicherungen unvollständig oder fehlerhaft waren.

Nutzen Sie Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) – also eine zusätzliche Absicherung neben dem Passwort, etwa per Smartphone-App? Für alle wichtigen Zugänge? Oder reicht immer noch „Firmenname123″ als Passwort für den Chef-Account? Zugangsdaten sind das beliebteste Ziel von Phishing-Angriffen. Mit gestohlenen Passwörtern öffnen sich Türen, die jede Firewall nutzlos machen.

Und schließlich: Wissen Ihre Mitarbeiter, wie sie Phishing-Mails erkennen? Wie sie sich verhalten sollen, wenn etwas verdächtig erscheint? Der Mensch ist nach wie vor das häufigste Einfallstor – nicht weil Mitarbeiter dumm wären, sondern weil gezielte Angriffe immer raffinierter werden.

Was Sie jetzt tun können

IT-Sicherheit muss nicht kompliziert oder teuer sein. Schon einfache Maßnahmen können das Risiko eines erfolgreichen Angriffs erheblich reduzieren. Entscheidend ist, dass überhaupt etwas passiert – und dass Sicherheit nicht als einmaliges Projekt, sondern als fortlaufender Prozess verstanden wird.

Der erste Schritt ist Bewusstsein. Wer die Gefahr nicht sieht, wird nicht handeln. Sprechen Sie in Ihrem Unternehmen über IT-Sicherheit, machen Sie es zum Thema in Team-Meetings, sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für Phishing und Social Engineering.

Der zweite Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wo stehen Sie wirklich? Welche Systeme sind wie geschützt? Wo liegen die kritischen Daten? Solche Fragen lassen sich oft nicht nebenbei beantworten – hier kann externe Expertise helfen, blinde Flecken aufzudecken.

Und der dritte Schritt: Holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie intern nicht die Ressourcen haben. Kein Geschäftsführer muss IT-Security-Experte werden. Aber jeder Geschäftsführer sollte wissen, dass IT-Sicherheit Chefsache ist – und dass es professionelle Partner gibt, die genau dabei unterstützen.

Fazit: Die Größe schützt nicht – aber Vorbereitung schon

Der Mythos vom „zu kleinen Unternehmen“ ist nicht nur falsch, er ist gefährlich. Er wiegt Geschäftsführer in falscher Sicherheit und verhindert notwendige Investitionen in den Schutz des eigenen Betriebs.

Die gute Nachricht: Sie müssen nicht über Nacht zur Festung werden. Aber Sie sollten wissen, wo Sie stehen – und einen Plan haben, wie Sie besser werden. IT-Sicherheit ist kein Luxus für Konzerne, sondern Überlebensstrategie für jeden Betrieb, der auf funktionierende IT angewiesen ist. Und das sind heute praktisch alle.

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