Eine Schreinerei mit 14 Mitarbeitern hat ein Platzproblem. Nicht in der Werkstatt – auf dem Server. Die CAD-Zeichnungen der letzten zwölf Jahre liegen dort, dazu Fotos jeder fertigen Küche, Angebote, Aufmaße, Lieferscheine. Der alte Rechner im Technikraum ist voll. Der Geschäftsführer bekommt zwei Empfehlungen: „Nimm ein NAS“ und „Geh in die Cloud“.
Beide Ratschläge sind richtig. Und beide sind unvollständig. Denn die Frage ist nicht, was besser ist – sondern welche Daten wohin gehören. Genau das schauen wir uns an.
Was ein NAS eigentlich ist – und was nicht
NAS steht für Network Attached Storage, also ein Speichergerät, das am Firmennetzwerk hängt. Man kann es sich als externe Festplatte vorstellen, auf die nicht ein Rechner, sondern alle Rechner im Haus zugreifen können. Dazu kommt eine eigene kleine Software mit Benutzerverwaltung, Rechten und Zusatzfunktionen.
Ein NAS ist kein Backup. Das ist der häufigste Irrtum. Wenn Ihre Daten nur auf dem NAS liegen und das Gerät brennt, geflutet oder gestohlen wird, sind sie weg. Auch ein NAS mit mehreren Festplatten im sogenannten RAID-Verbund – bei dem eine Platte ausfallen darf, ohne dass Daten verloren gehen – schützt nur gegen Hardwaredefekte. Nicht gegen Feuer, nicht gegen Verschlüsselungstrojaner, nicht gegen versehentliches Löschen, das zu spät auffällt.
Das BSI empfiehlt in seinen Hinweisen zur Datensicherung konsequent eine Kopie außer Haus. Ein NAS ersetzt diese Kopie nicht, es ist der Ort, von dem gesichert wird. Weitere Hintergründe finden Sie in den Empfehlungen des BSI zum Thema Datensicherung (bsi.bund.de).
Wann sich ein eigenes NAS im Betrieb rechnet
Es gibt klare Konstellationen, in denen lokaler Speicher die bessere Antwort ist:
- Große Dateien, tägliche Arbeit. CAD-Zeichnungen, Videomaterial, hochauflösende Produktfotos, Konstruktionsdaten. Wenn ein Mitarbeiter eine 800-MB-Datei fünfmal am Tag öffnet und speichert, ist das über eine normale DSL- oder Kabelleitung zäh. Im lokalen Netzwerk geht es sofort.
- Schwache Internetleitung. In vielen Gewerbegebieten und auf dem Land ist der Upload noch der Flaschenhals. Wer 40 Mbit im Download und 10 im Upload hat, arbeitet mit reiner Cloud-Ablage unangenehm.
- Maschinen und Geräte, die lokal ablegen. Scanner, Produktionsanlagen, Kameras, Messgeräte – viele davon können nur in einen Netzwerkordner schreiben, nicht in eine Cloud.
- Kalkulierbare Kosten bei viel Datenvolumen. Ein NAS ist eine Einmalinvestition plus Strom. Cloud-Speicher kostet jeden Monat, dauerhaft, und wächst mit dem Datenvolumen.
Gegenbeispiel: Ein Dienstleister mit acht Leuten, der ausschließlich mit Office-Dokumenten, E-Mails und PDFs arbeitet und dessen Team halb im Homeoffice sitzt, braucht in der Regel kein NAS. Da ist Microsoft 365 oder eine vergleichbare Lösung die schlankere Antwort.
Was es kostet: realistische Größenordnungen
Die Preisspannen, die im Markt genannt werden, sind breit – aber die Größenordnungen sind stabil:
- Kleiner Betrieb, etwa 5 Arbeitsplätze, rund 4 TB nutzbar: ab etwa 800 Euro für Gerät und Platten.
- Mittlerer Betrieb, etwa 20 Arbeitsplätze, 20 TB nutzbar: je nach Ausbaustufe rund 2.500 bis 5.000 Euro.
- Höhere Anforderungen mit Ausfallsicherheit und schnellen Netzwerkanschlüssen: ab etwa 8.000 Euro.
Wichtig: In diesen Zahlen stecken meistens nur Gerät und Festplatten. Nicht enthalten sind eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, ein passender Netzwerk-Switch, die Einrichtung und – der Posten, der am häufigsten vergessen wird – das Backup. Rechnen Sie pauschal mit 30 bis 40 Prozent Aufschlag auf den Gerätepreis, wenn Sie es sauber machen wollen.
Ein typischer hybrider Aufbau für einen kleinen Betrieb liegt bei rund 1.500 Euro einmalig plus etwa 50 Euro monatlich für die Backup-Kopie außer Haus. Das ist die Zahl, die in Budgetgesprächen realistisch ist.
Synology, QNAP und der Rest: Was den Unterschied macht
Im deutschen Mittelstand dominieren zwei Hersteller. Die Unterscheidung ist weniger technisch als man denkt:
- Synology gilt als die risikoarme Wahl. Die Software ist aufgeräumt, gut dokumentiert, und die Backup-Werkzeuge sind ausgereift. Für den Großteil der Betriebe ohne eigene IT-Abteilung ist das der Punkt, der zählt: Man findet sich zurecht, und der Dienstleister kennt es.
- QNAP bietet tendenziell mehr Rechenleistung und Anschlüsse pro Euro und unterstützt modernere Dateisysteme. Interessant, wenn wirklich Leistung gebraucht wird – etwa bei Videoschnitt oder virtuellen Maschinen.
Ein Hinweis, den man selten hört: Achten Sie weniger auf die Hardware und mehr darauf, wie lange der Hersteller Sicherheitsupdates für das Modell liefert. NAS-Geräte stehen jahrelang im Technikraum und werden vergessen. Ein Gerät ohne Updates, das aus dem Internet erreichbar ist, ist ein offenes Tor. Genau diese Geräte tauchen regelmäßig in Meldungen über Angriffswellen auf – nachzulesen etwa in der laufenden Berichterstattung von heise.de zu NAS-Schwachstellen.
Die Antwort für 2026 heißt meistens: beides
Die Diskussion „NAS oder Cloud“ ist in der Praxis erledigt. Gängig ist heute eine Aufteilung nach Datenart:
- Große Arbeitsdateien und alles, was Maschinen ablegen: lokal auf dem NAS.
- E-Mail, Kalender, gemeinsame Dokumente, alles, was mobil gebraucht wird: Cloud.
- Backup: ein eigener, getrennter Weg. Entweder in einen Cloud-Backup-Dienst oder auf wechselnde externe Datenträger, die außer Haus gelagert werden.
Entscheidend ist der dritte Punkt, und er ist der, der in vielen Betrieben fehlt. Wir sehen bei KMU häufig ein gut ausgestattetes NAS mit RAID – und daneben die Annahme, damit sei das Backup erledigt. Das ist die Lücke, die im Schadensfall teuer wird.
Eine ehrliche Einschätzung: Nicht jeder Betrieb braucht ein NAS. Wenn Ihre Daten überwiegend aus Office-Dokumenten bestehen und Ihr Team verteilt arbeitet, sparen Sie sich das Gerät und investieren das Geld in eine saubere Cloud-Struktur mit ordentlichem Backup. Umgekehrt: Wer täglich mit großen Dateien arbeitet, gewinnt mit lokalem Speicher jeden Tag Arbeitszeit zurück.
Fazit
Ein NAS lohnt sich, wenn Sie große Dateien im Haus bearbeiten, wenn Ihre Internetleitung schwach ist oder wenn Geräte in Netzwerkordner schreiben müssen. Es lohnt sich nicht als Ersatz für ein Backup – und es lohnt sich nicht, wenn Ihre Arbeit ohnehin schon in der Cloud stattfindet.
Der praktische erste Schritt kostet nichts: Schauen Sie nach, wie viel Speicher Sie aktuell tatsächlich belegen und wie stark das in den letzten zwei Jahren gewachsen ist. Diese zwei Zahlen entscheiden mehr über die richtige Lösung als jeder Produktvergleich. Und prüfen Sie im gleichen Zug, wo Ihre Backup-Kopie außer Haus liegt. Wenn die Antwort „weiß ich nicht“ ist, ist das der wichtigere Punkt.
Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie einschätzen möchten, ob Cloud-Hosting oder eigener Speicher für Ihr Unternehmen sinnvoll ist. Wir schauen uns Ihre Datenlage an und sagen Ihnen offen, was Sie brauchen – und was nicht.
