Montagmorgen, Büro einer Zahnarztpraxis mit 12 Mitarbeitern. Die Rezeptionistin startet ihren PC – Windows 10, wie seit Jahren. Alles läuft, alles gewohnt. Was sie nicht weiß: Ab Oktober 2026 liefert Microsoft für diesen Rechner keine Sicherheitsupdates mehr. Keine Patches für neue Angriffsmethoden, keine Fehlerkorrekturen, kein Schutz. Der PC läuft weiter – aber er ist dann so sicher wie ein Schloss ohne Schlüssel.
Über 30 Millionen Rechner in Deutschland laufen noch mit Windows 10. Für viele Betriebe ist das Thema bislang aufgeschoben worden – zu viel zu tun, zu wenig Budget, zu wenig Dringlichkeit. Doch der Oktober 2026 ist keine vage Zukunft mehr. Er ist in sieben Monaten. In diesem Artikel erfahren Sie, welche drei Optionen es gibt, was sie jeweils kosten – und warum früh handeln günstiger ist als reagieren müssen.
Was das Support-Ende konkret bedeutet – und was nicht
Zunächst das Beruhigende: Ihre Rechner schalten sich im Oktober nicht ab. Windows 10 läuft weiter, Ihre Programme starten wie gewohnt, und auf den ersten Blick ändert sich nichts. Das ist genau das Problem.
Was ab dem 14. Oktober 2026 wegfällt, ist der Schutzschild im Hintergrund. Microsoft schließt dann keine neu entdeckten Sicherheitslücken mehr. Und Sicherheitslücken in verbreiteten Betriebssystemen werden gefunden – das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann. Hacker wissen das. Veraltete Systeme ohne Updates sind für Angreifer attraktive Ziele, weil die Schwachstellen bekannt und dauerhaft offen bleiben.
Für Unternehmen kommt ein weiteres Problem hinzu: die Compliance. Die DSGVO verpflichtet Betriebe, personenbezogene Daten mit angemessenen technischen Maßnahmen zu schützen. Ein Betriebssystem ohne Sicherheitsupdates gilt nicht mehr als „Stand der Technik“ – was bei einem Datenschutzvorfall zu erheblichen Haftungsrisiken führen kann. Das betrifft jeden Betrieb, der Kundendaten, Mitarbeiterdaten oder Patientenakten verwaltet.
Die drei Optionen – und was sie wirklich kosten
Wer Windows 10 im Einsatz hat, steht vor drei Wegen. Welcher passt, hängt vom Alter und Zustand der vorhandenen Hardware ab.
Option 1: Kostenloses Upgrade auf Windows 11
Wenn Ihre Rechner die technischen Mindestanforderungen erfüllen – konkret: ein Prozessor ab der 8. Generation (Intel Core i3/i5/i7 ab 2018), mindestens 4 GB RAM, 64 GB Speicher und das sogenannte TPM-2.0-Sicherheitsmodul – ist das Upgrade auf Windows 11 kostenlos und direkt über Windows Update verfügbar. Für viele Geräte aus den Jahren 2018 bis 2022 ist das der unkomplizierteste Weg.
Der Haken: Ältere Geräte, oft mit Prozessoren der 7. Generation oder früher, erfüllen diese Anforderungen nicht. Schätzungen zufolge betrifft das weltweit bis zu 400 Millionen Geräte. Ob Ihr Rechner kompatibel ist, lässt sich mit dem kostenlosen PC Health Check Tool von Microsoft in wenigen Minuten prüfen.
Option 2: Weiter mit Windows 10 – aber kostenpflichtig (ESU)
Microsoft bietet sogenannte „Extended Security Updates“ (ESU) an – also verlängerten Sicherheitssupport gegen Aufpreis. Das Programm läuft maximal drei Jahre, also bis Oktober 2028. Die Kosten sind jedoch erheblich und steigen jedes Jahr: Im ersten Jahr kostet die ESU-Lizenz pro Gerät rund 61 US-Dollar, im zweiten Jahr verdoppelt sich der Preis auf 122 US-Dollar, im dritten Jahr auf 244 US-Dollar.
Wichtig zu verstehen: ESU ist kein Upgrade. Sie bekommen nur noch kritische Sicherheitspatches – keine neuen Funktionen, keinen technischen Support, keine Fehlerkorrekturen. Für einen Betrieb mit 10 Geräten bedeutet das im ersten ESU-Jahr bereits rund 600 Euro allein für den Notfall-Support eines veralteten Systems. ESU ist bestenfalls eine Überbrückungslösung – kein Ersatz für eine klare Migrationsstrategie.
Option 3: Neue Hardware beschaffen
Wenn Ihre Geräte zu alt für Windows 11 sind und ESU wirtschaftlich keinen Sinn ergibt, ist der Austausch die sauberste Lösung. Ein neuer Business-Laptop mit Windows 11 kostet je nach Ausstattung zwischen 700 und 1.200 Euro. Das klingt nach Investition – ist aber oft günstiger als man denkt, wenn man die ESU-Folgekosten, das Sicherheitsrisiko und den Wertverlust alter Hardware gegenrechnet.
Wer dabei auf Nachhaltigkeit und Budget achtet: Zertifizierte Refurbished Business-Laptops von Herstellern wie Lenovo, Dell oder HP sind ab etwa 300 bis 500 Euro erhältlich, oft mit Garantie und Windows 11 vorinstalliert. Für viele KMUs ist das ein sinnvoller Mittelweg.
Warum jetzt handeln günstiger ist als im September
Wer mit der Migration bis kurz vor Oktober wartet, zahlt doppelt: einmal in Geld, einmal in Stress. Erfahrungsgemäß steigen Nachfrage und Lieferzeiten für Business-Hardware in den Monaten vor einem solchen Stichtag spürbar an. Wer im August oder September bestellt, zahlt mehr und wartet länger.
Dazu kommt der Planungsaufwand. Ein Rollout – also der koordinierte Austausch mehrerer Geräte in einem Betrieb – braucht Vorlauf: Hardware bestellen, Daten sichern, neue Geräte konfigurieren, Software übertragen, Mitarbeiter einweisen. Wer das für 15 Arbeitsplätze in einer Autowerkstatt plant, braucht realistische vier bis sechs Wochen, wenn es ohne Betriebsunterbrechung laufen soll.
Wir sehen bei KMUs häufig, dass solche Projekte unterschätzt werden – nicht wegen der Technik, sondern wegen der Koordination. Wer kümmert sich darum? Wann können Mitarbeiter kurz ohne PC arbeiten? Welche Spezialsoftware muss auf Windows 11 getestet werden? Diese Fragen lassen sich entspannt in vier Monaten klären. Unter Zeitdruck nicht.
Drei erste Schritte für Ihren Betrieb
- Bestandsaufnahme: Wie viele Geräte laufen bei Ihnen noch mit Windows 10? Und welches Baujahr haben sie? Das lässt sich in der Windows-Einstellungen unter „System > Info“ in wenigen Minuten prüfen.
- Kompatibilitätscheck: Für kompatible Geräte läuft Windows 11 kostenlos – das Microsoft PC Health Check Tool zeigt sofort, ob ein Upgrade möglich ist.
- Entscheidung treffen: Upgrade, ESU oder Neubeschaffung? Die Antwort hängt vom Gerätealter, dem Budget und dem geplanten Nutzungshorizont ab. Wer das nicht intern einschätzen kann, sollte sich jetzt beraten lassen – nicht im Oktober.
Fazit: Sieben Monate sind genug Zeit – wenn Sie jetzt anfangen
Das Windows 10 Support-Ende im Oktober 2026 ist kein überraschender Schock, sondern ein seit Jahren bekannter Termin. Trotzdem haben viele Betriebe das Thema vor sich hergeschoben. Das ist verständlich – aber es ist jetzt der letzte vernünftige Zeitpunkt, es anzugehen.
Wer heute startet, hat genug Zeit für eine ruhige, geplante Migration – ohne Hektik, ohne Preisaufschläge, ohne erzwungene Betriebsunterbrechungen. Wer bis September wartet, hat all das.
Sie möchten wissen, wie viele Ihrer Geräte betroffen sind und was ein geordneter Umstieg kostet? Wir schauen uns Ihren aktuellen Gerätebestand an und zeigen Ihnen, welcher Weg für Ihren Betrieb am sinnvollsten ist – inklusive realistischer Zeitplanung und Kostenschätzung. Sprechen Sie uns an: bavaria-informatics.com/kontakt
