Stellen Sie sich eine Steuerberatung mit 20 Mitarbeitern vor. Im Flur steht ein großes Multifunktionsgerät. Es druckt, scannt, kopiert und faxt sogar noch. Es steht dort seit 2019. Es wurde einmal eingerichtet und läuft seitdem. Niemand hat je die Firmware aktualisiert. Das Admin-Passwort ist das Standard-Passwort des Herstellers. Auf der internen Festplatte liegen die Scans der letzten sieben Jahre.
Dieses Gerät ist ein vollwertiger Computer mit Netzwerkanschluss, Festplatte und Betriebssystem. Es wird nur nicht so behandelt. Das BSI weist seit Jahren darauf hin, dass Multifunktionsdrucker die gleichen Risiken bergen wie Arbeitsplatzrechner. In diesem Artikel klären wir, welche Angriffswege real sind, was die Zahlen sagen und welche fünf Maßnahmen den größten Effekt haben.
Warum Drucker unterschätzt werden
Der Grund ist psychologisch, nicht technisch. Ein Drucker sieht nicht aus wie ein Computer. Er sieht aus wie ein Möbelstück. Er steht im Flur, macht Geräusche und produziert Papier. Niemand denkt bei ihm an Angriffsflächen.
Die Zahlen zeigen, wie groß die Lücke ist: Laut einer aktuellen Herstellerstudie ergreift mehr als jeder dritte kleine und mittlere Betrieb keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen für Drucker. Gleichzeitig haben 56 Prozent der deutschen KMU bereits mindestens einen druckbezogenen Datenverlust erlebt.
Das ist keine theoretische Debatte. Es ist eine Mehrheit.
Die drei konkreten Angriffswege
Das BSI benennt drei Angriffsvektoren, die im Mittelstand regelmäßig offenstehen:
- Unverschlüsselte Druckdaten. Was vom Rechner zum Drucker geht, läuft in vielen Netzen im Klartext. Wer im Netzwerk mitliest, sieht Lohnabrechnungen, Verträge und Mandantenunterlagen im Volltext – ohne den Drucker selbst je angefasst zu haben.
- Ungelöschte Speicherinhalte. Moderne Multifunktionsgeräte haben Festplatten oder SSDs. Scans, Druckaufträge und Faxe bleiben dort oft jahrelang liegen. Wenn ein Leasing-Gerät nach vier Jahren zurückgeht, geht der Datenspeicher mit – ungelöscht. Das ist einer der häufigsten unbemerkten DSGVO-Verstöße im Mittelstand.
- Veraltete Firmware. Drucker bekommen Sicherheitsupdates. Nur installiert sie kaum jemand. Ein Gerät mit Firmware von 2019 hat sieben Jahre bekannte Schwachstellen offen – und ist als Einstiegspunkt ins Netzwerk hervorragend geeignet, weil von ihm ausgehender Datenverkehr selten überwacht wird.
Was 2026 regulatorisch dazukommt
Drucker rücken auch aus Compliance-Sicht stärker in den Fokus. Der Europäische Datenschutzausschuss hat 2026 eine Vorlage zur Datenschutz-Folgenabschätzung zur öffentlichen Konsultation gestellt – ein deutliches Signal, dass Druckerflotten künftig genauer betrachtet werden.
Dazu kommt der Cyber Resilience Act: Vernetzte Bürogeräte fallen unter „Produkte mit digitalen Elementen“. Hersteller müssen ab dem 11. September 2026 Schwachstellen melden und bis Dezember 2027 die vollen Anforderungen erfüllen. Für Anwender bedeutet das mittelfristig: Geräte ohne Firmware-Support verschwinden aus dem Markt – und Bestandsgeräte ohne Updates werden zum dokumentierten Risiko.
Fünf Maßnahmen mit dem größten Effekt
Die gute Nachricht: Drucker-Sicherheit ist kein Großprojekt. Fünf Maßnahmen decken den größten Teil des Risikos ab – und drei davon sind an einem Nachmittag erledigt.
- Standard-Passwörter ändern. Das Admin-Passwort jedes Geräts. Klingt trivial, ist in vielen Betrieben aber nie passiert. Ein Gerät mit Werkseinstellung ist im Netzwerk offen für jeden, der die Hersteller-Dokumentation googeln kann.
- Firmware aktualisieren – und zwar regelmäßig. Am besten als Teil des normalen Patch-Zyklus, nicht als Sonderaktion. Wer Managed Services nutzt, lässt das mitlaufen.
- Unnötige Dienste abschalten. FTP, Telnet, offene Web-Oberflächen, Fax-Funktionen, die niemand nutzt. Jeder abgeschaltete Dienst ist eine Angriffsfläche weniger.
- Druckdaten verschlüsseln und Pull-Printing einführen. Beim Pull-Printing wird der Auftrag erst gedruckt, wenn sich der Mitarbeitende am Gerät anmeldet. Das löst zwei Probleme gleichzeitig: vertrauliche Dokumente liegen nicht mehr im Ausgabefach, und Fehldrucke werden reduziert.
- Datenlöschung bei Geräte-Rückgabe vertraglich regeln. Wer Geräte least, sollte im Vertrag stehen haben, wer die Festplatte löscht und wie das dokumentiert wird. Ohne diese Klausel geht die DSGVO-Verantwortung mit dem Gerät nicht weg.
Der Nebeneffekt: Kosten
Wer sich ohnehin mit der Druckerflotte beschäftigt, sollte gleich auf die Kosten schauen. In vielen KMU laufen Geräte unterschiedlicher Hersteller mit unterschiedlichen Verbrauchsmaterialien nebeneinander – gewachsen über Jahre, nie konsolidiert.
Eine Vereinheitlichung reduziert Lagerhaltung, vereinfacht Support und macht Firmware-Pflege überhaupt erst praktikabel. Managed Print Services bündeln Beschaffung, Wartung, Verbrauchsmaterial und Sicherheit in einem Vertrag – für Betriebe ab etwa fünf Geräten oft die pragmatischere Lösung als die Einzelverwaltung.
Wer die Druckerflotte in eine bestehende [Managed-Services-Betreuung](https://bavaria-informatics.com/services/#managed-services) aufnimmt, bekommt Firmware-Pflege und Monitoring ohne zusätzlichen Verwaltungsaufwand mit.
Fazit
Der Bürodrucker ist 2026 kein Möbelstück, sondern ein Netzwerkgerät mit Festplatte, Betriebssystem und Angriffsfläche. Mehr als jeder dritte Mittelständler schützt ihn nicht besonders – und über die Hälfte hatte bereits einen druckbezogenen Datenverlust.
Die Maßnahmen sind unspektakulär: Passwörter ändern, Firmware aktualisieren, unnötige Dienste abschalten, Pull-Printing einführen, Löschung bei Rückgabe regeln. Drei davon sind an einem Nachmittag erledigt.
Wenn Sie wissen wollen, in welchem Zustand Ihre Druckerflotte ist und wo die konkreten Risiken liegen, sprechen Sie uns an. Wir schauen uns Ihre Geräte in einem Erstgespräch an – kostenfrei und ohne Fachchinesisch.
