Stellen Sie sich eine typische Steuerkanzlei mit zwölf Arbeitsplätzen vor. Die Rechner laufen. Sie tun seit Jahren, was sie sollen. Warum also etwas ändern? Genau diese Frage stellen sich gerade tausende kleine Betriebe in Deutschland, während im Hintergrund eine Uhr tickt. Am 13. Oktober 2026 endet der Support für Windows 10. Von heute an gerechnet sind das genau 100 Tage.
Danach läuft Windows 10 zwar weiter, aber Microsoft liefert keine kostenlosen Sicherheitsupdates mehr aus. Jede neue Lücke, die danach auftaucht, bleibt offen. Für Betriebe, die mit Kundendaten, Rechnungen oder Patientenakten arbeiten, ist das kein Randthema, sondern ein echtes Risiko. Der Sommer 2026 ist die Zeit, in der sich entscheidet, wer im Herbst entspannt bleibt und wer in Hektik gerät.
Was am 13. Oktober wirklich passiert
An diesem Dienstag im Oktober liefert Microsoft das letzte reguläre Update für Windows 10 aus. Der Rechner startet danach ganz normal, das gewohnte Bild erscheint, alles fühlt sich an wie immer. Genau das ist die Tücke: Es passiert nichts Sichtbares. Kein Warnschild, kein Stillstand.
Das Problem entsteht schleichend. Wird nach dem Stichtag eine neue Schwachstelle bekannt, bekommt Windows 10 keinen Patch mehr. Angreifer wissen das und richten ihre Werkzeuge gezielt auf Systeme, die nicht mehr versorgt werden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät seit Langem klar dazu, nur unterstützte Betriebssysteme einzusetzen. Ein veraltetes System im Netz ist wie eine Tür, die zwar zu ist, aber nie mehr abgeschlossen wird.
Die ESU-Kostenfalle für Firmen
Wer nicht rechtzeitig umsteigen kann, hat eine Notlösung: die Extended Security Updates, kurz ESU. Damit kauft man sich weitere Sicherheitsupdates über den Stichtag hinaus. Was auf den ersten Blick bequem klingt, wird für Betriebe schnell teuer.
- Erstes Jahr: rund 61 US-Dollar pro Gerät.
- Zweites Jahr: der Preis verdoppelt sich auf 122 US-Dollar.
- Drittes Jahr: erneut Verdopplung auf 244 US-Dollar pro Gerät.
Der Haken steckt im Detail: Die Lizenzen sind kumulativ. Wer erst im zweiten Jahr einsteigt, muss das erste Jahr trotzdem nachzahlen. Rechnet man das für einen Betrieb mit 100 PCs über drei Jahre zusammen, landet man bei rund 42.700 US-Dollar, nur um ein altes System künstlich am Leben zu halten. Das Fachmagazin heise hat die Bedingungen ausführlich aufgeschlüsselt. Spätestens bei diesen Zahlen wird der Umstieg auf neue Geräte oder Windows 11 zur günstigeren Variante.
Achtung: Die kostenlose Verlängerung gilt nicht für alle
Ende Juni 2026 sorgte eine Meldung für Erleichterung: Microsoft verlängert das kostenlose ESU-Programm für Privatnutzer bis Oktober 2027. Viele Betriebe atmeten auf, doch dieser Freischein gilt nur für private Geräte. Für Firmenrechner, die in einer Domäne oder über ein Firmenkonto verwaltet werden, bleibt es beim kostenpflichtigen Modell.
Eine Ausnahme gibt es dennoch: Wer Windows 10 als virtuelle Maschine in der Microsoft-Cloud betreibt, etwa über Azure oder Windows 365, erhält die Sicherheitsupdates ohne Aufpreis. Für die meisten kleinen Betriebe mit klassischen Rechnern im Büro trifft das aber nicht zu. Die kurze Faustregel lautet: Steht der PC bei Ihnen unter dem Schreibtisch, müssen Sie handeln.
Warum nicht jeder Rechner einfach auf Windows 11 kann
Der naheliegende Ausweg heißt Windows 11. Doch hier stolpern viele Betriebe über die Hardware-Anforderungen. Windows 11 verlangt unter anderem einen speziellen Sicherheitschip (TPM 2.0) und einen ausreichend modernen Prozessor. Ältere Geräte, die drei, vier oder fünf Jahre auf dem Buckel haben, erfüllen diese Bedingungen oft nicht.
Das Ergebnis: Ein Teil der vorhandenen Rechner lässt sich problemlos umstellen, ein anderer Teil muss ersetzt werden. Welcher Rechner in welche Kategorie fällt, lässt sich nicht am Baujahr ablesen, sondern nur durch eine echte Bestandsaufnahme. Und genau die kostet Zeit, die im Herbst knapp wird.
Was in den nächsten 100 Tagen sinnvoll ist
Die gute Nachricht: 100 Tage reichen aus, wenn man jetzt beginnt. Wir sehen bei kleinen Betrieben häufig, dass die Umstellung nicht an der Technik scheitert, sondern am Aufschieben. Ein realistischer Fahrplan für den Sommer sieht so aus:
- Inventur: Welche Geräte laufen noch mit Windows 10, und welche davon sind überhaupt Windows-11-fähig?
- Priorisieren: Rechner mit Zugang zu sensiblen Daten (Buchhaltung, Kundendaten) zuerst umstellen.
- Entscheiden: aufrüsten, ersetzen oder übergangsweise absichern, Gerät für Gerät.
- Zeitpuffer einplanen: Neue Hardware hat Lieferzeiten, und der Herbst wird für alle voll.
Wer diese vier Schritte im Juli angeht, hat im Oktober keinen Stress. Wer wartet, konkurriert im September mit allen anderen um Geräte, Termine und Nerven. Für Betriebe ohne eigene IT-Abteilung kann es sich lohnen, die Umstellung über einen Partner für Managed Services begleiten zu lassen, der Inventur, Beschaffung und Rollout aus einer Hand übernimmt.
Fazit: Der teuerste Weg ist, nichts zu tun
Windows 10 verschwindet nicht über Nacht, und niemand muss in Panik geraten. Aber das Zeitfenster schließt sich sichtbar. Wer jetzt eine ehrliche Bestandsaufnahme macht, hat die Wahl zwischen mehreren Wegen: Umstieg auf Windows 11, neue Hardware oder eine bewusste Übergangslösung. Wer nichts tut, hat am 14. Oktober keine Wahl mehr, sondern ein Sicherheitsproblem.
Nicht für jeden Betrieb ist der schnellste Weg auch der richtige. Aber für jeden Betrieb gilt: Die 100 Tage laufen ab heute. Nutzen Sie sie. Gerne unterstützen wir Sie mit einer Erstberatung, um Ihren Gerätebestand realistisch einzuschätzen.
